EHT baut für Reitz eine Abkantpresse mit extra großem Hub und Einbauhöhe

Im Rahmen der grundlegenden Erneuerung seiner Fertigung hat Reitz Ventilatoren auch das Biegen auf ein neues Level gehoben: Eine inzigartige Abkantpresse von EHT mit extra großem Hub und Einbauhöhe biegt Schenkel bis 1.900 mm Länge, was die Herstellung großer entilatoren erheblich einfacher macht.

 

Eine derartige Bandbreite wie im Werk Höxter von Reitz Ventilatoren findet man selten: Unter einem Dach baut der Familienbetrieb mit hoher Fertigungstiefe Radialventilatoren mit Antriebsleistungen von 1,1 kW bis 10 MW. Die Blechbearbeitung hat es dadurch mit Gehäusen zu tun, deren Größe von einer Bierkiste bis zum größeren Einfamilienhaus reicht. Kein leichtes Unterfangen, wie Florian Voß, Leiter Produktion & Logistik, erklärt: „Eine derartige Bandbreite stellt sehr anspruchsvolle Anforderungen an Produktionstechnik und Logistik. Wir sehen dies aber als unseren Schlüssel zum Erfolg. Denn unsere Kunden können hier bei uns in einem Werk Radialventilatoren in jeder Größe als Komplettlösungen kaufen.“

 

Um als führender Hersteller von Radialventilatoren auch in Zukunft weltweit wettbewerbsfähig zu sein, sind Florian Voß und sein Team seit rund 3,5 Jahren dabei, die gesamte Produktion vom Zuschnitt bis zum Versand ganzheitlich weiterzuentwickeln und neue vernetzte Produktionsstrategien einzuführen. Voß: „Wir haben uns ein sehr anspruchsvolles und forderndes Innovationspaket auf die Fahnen geschrieben. Die Herausforderung besteht darin, neue Wege zu gehen und einen Paradigmenwechsel durchzuführen – weg von der klassischen Werkstattfertigung hin zur fließenden, ganzheitlichen Fertigung. Unser Ziel sind deutliche Vorteile bei Produktivität, Effizienz und Qualität, um die immer komplexeren Anforderungen unserer Kunden erfüllen zu können. Denn einen einfachen Ventilator herzustellen, ist nicht schwer. Die Kunst besteht darin, die verschiedenen Anwendungen und deren Komplexität zu erkennen und für jeden Kunden die optimale Maschine für seine Aufgabe zu entwickeln und zu bauen.“

 

Zusammen mit EHT ist Reitz Ventilatoren diesem Ziel einen großen Schritt näher gekommen. Florian Voß: „Was wir hier gemeinsam mit EHT umgesetzt haben, ist alles andere als üblich. Wir haben – wie bei allen unseren Projekten – ein sehr detailliertes Pflichtenheft erstellt und daran auch mit aller Konsequenz festgehalten. Die anderen Anbieter sind dann nach und nach aus dem Projekt ausgestiegen, weil sie die Hubhöhe oder die Rückbiegung der Hilfsbiegung nicht darstellen konnten. Die von EHT realisierte Lösung ist aber das beste Beispiel, dass sich der hohe Aufwand und die Konsequenz an dieser Stelle lohnen.“

 

Stephan Kister, der als Projektleiter für die Beschaffung der Abkantpresse und die Erstellung des Pflichtenheftes zuständig war, zu den besonderen Anforderungen: „Die Hauptbaugruppe, die mit der Abkantpresse gefertigt wird, ist die Konsole der Radiallüfter, auf der dann später der Antrieb steht. Für diese Teile muss die Abkantpresse über die volle Nutzlänge von 4 m Edelstahlbleche bis 12 mm Dicke kanten können – und dies bei Schenkellängen, die im Verhältnis zur Breite der Konsole extrem lang sind, was besondere Anforderungen an die Zugänglichkeit der Abkantpresse stellt. Mit unserer EHT VarioPress 400 – 40 können wir jetzt Konsolen mit bis zu 1.900 mm langen Schenkeln biegen und haben damit bei unseren derzeit bis zu 1.780 mm langen Schenkeln noch etwas Luft nach oben.“

 

Bei einigen Blechen ist dies nur mit einer Hilfsbiegung mit Winkeln von 15 bis 30 Grad möglich. Dabei wird die Platine mit einer zusätzlichen Biegung geöffnet, damit die langen Schenkel nicht beim Biegen an der Maschine anschlagen. Die Hilfsbiegung an sich ist dabei nicht das Problem. Stephan Kister: „Es ist für uns äußerst wichtig, dass sich diese Hilfsbiegung vollkommen zurückbiegen lässt, und das Blech dann an dieser Stelle wieder absolut eben ist. Denn genau da, wo wir zum Kanten die Hilfsbiegung brauchen, wird später der Lüftermotor montiert. Daran sind viele andere Anbieter gescheitert, EHT hat es aber ohne ein Sonderwerkzeug so gut hinbekommen, dass es beim fertigen Teil nicht mehr zu sehen ist, wo die Hilfsbiegung war.“

 

Herr Alberty Gebietsverkaufsleiter der EHT Werkzeugmaschinen GmbH war fasziniert mit welcher Präzision der Rückbiegevorgang gelungen ist.  Überzeugen konnte EHT auch bei der Präzision der Bauteile. Stephan Kister: „Da der Ventilator über der Konsole angebracht wird, muss die Parallelität der Kanten sehr genau passen. Dies war in der Vergangenheit für uns ein Riesenthema. Wir haben deshalb in unserem Lastenheft auch sehr enge Toleranzen angegeben. Mit der neuen EHT klappt das aber dank Features wie CNC-Bombierung und Winkelmessung perfekt.“

 

Warum genaue Biegewinkel so wichtig für Reitz sind, erklärt Dieter Vöckel, Fachbereichsleiter Zuschnitt und Zuschnittsteuerung: „Je länger der Schenkel wird, desto genauer muss der Winkel passen. Wenn wir bei Schenkellängen von fast zwei Meter nur um ein Grad vom vorgegebenen Winkel abweichen, ist das für uns eine mittlere Katastrophe. Denn schon der kleinste Winkelfehler führt an den Enden der Schenkel zu erheblichen Abweichungen. So etwas später zu richten, wäre sehr, sehr schwierig und aufwändig. Mit der Winkelmessung von EHT ist das aber kein Problem, da passt jeder Winkel auf Anhieb perfekt.“

 

Stephan Kister ergänzt: „Wir fertigen in Stückzahl 1, alles andere ist für uns eine absolute Ausnahme. Jedes Bauteil kommt dadurch nur einmal vor, und deshalb muss das erste Teil ein Gutteil sein. Heißt: Jeder Winkel muss schon beim ersten Versuch passen, was uns mit der EHT auch perfekt gelingt.“

 

Einen Hinweis kann sich Florian Voß aber an dieser Stelle nicht verkneifen: „Die EHT funktioniert hervorragend – keine Frage. Aber: Die guten Ergebnisse liegen nur zum Teil an der Maschine – entscheidend ist auch, wer an der Maschine steht und den Prozess steuert. Wir haben zum Glück hervorragende Fachleute mit langjähriger Biegeerfahrung, die es auch schaffen, die Möglichkeiten der Maschine umzusetzen.“

 

Zu welchen Leistungen die Kombination von Top-Maschine und Top-Mitarbeiter fähig ist, konnten die EHT-Abkantpresse und ihre Bediener schon kurz nach der Installation bei einem für Reitz eher ungewöhnlichen Großauftrag für 240 Ventilatoren – darunter 70 absolut baugleiche – demonstrieren. Dieter Vöckel: „Mit unserem alten Schwenkbieger hätten wir bei diesem Auftrag für eine Konsole bestimmt 5 Minuten gebraucht – mit der EHT-Abkantpresse waren es nur etwa 1,5 Minuten. Wir haben den Auftrag zudem in mehrere Lose aufgeteilt, und bei jedem Neuaufruf des Programms haben die Konsolen wieder ohne Nachjustieren auf Anhieb genau gepasst. Die Genauigkeit war dabei über alle Teile immer gleich. Wir hätten jede Konsole mit einer anderen austauschen können und alles hätte zusammengepasst.“

 

Einen nicht unerheblichen Anteil an der hohen Produktivität hat neben den Biegehilfen und den zusätzlichen Auflagekonsolen für einfaches Handling der großen und schweren Bleche auch der ‚Operator Safety Guard‘, ein kamerabasiertes Sicherheitssystem, das hohe Geschwindigkeiten und maximalen Schutz für die Bediener vereint. Das von der Berufsgenossenschaft freigegebene System lernt dazu die Geometrie des Oberwerkzeugs und sobald sich diese Geometrie ändert, bleibt die Anlage sofort stehen. Bernward Alberty zum Vorteil der Kamera: „Wir können mit dem Oberwerkzeug bis kurz vor die Blechkante mit voller Geschwindigkeit fahren und sind damit etwa 20 Prozent schneller als die Sicherheitssysteme, die deutlich vor der Blechkante auf eine langsame Geschwindigkeit umschalten müssen. Mit diesem Sicherheitssystem sind wir jetzt wieder bei den Biegegeschwindigkeiten angekommen, die wir früher ohne Sicherheitssystem erreicht haben.“

 

Nicht nur Zeit, sondern auch Kraft sparen die Bediener durch den ToolShuttle zum schnellen und einfachen Werkzeugwechsel. Dieter Vöckel: „Wir arbeiten überwiegend mit Losgröße 1 und entsprechend vielen Werkzeugwechseln. Mit dem Tool Shuttle sparen wir nicht nur zwischen 17 und 18 Prozent Wechselzeit, das System erleichtert den Bedienern auch den Umgang mit schweren Werkzeugen enorm. Der Bediener kann sehr schnell und einfach drei jeweils ein Meter lange Slots mit Ober- und Unterwerkzeugen bestücken und so die Werkzeuge mühelos zur Maschine bringen oder dort abholen.“

 

Für die Programmierung der Abkantpresse werden bei Reitz Ventilatoren die 3D-Daten aus der Konstruktion mit einer externen Abwickelsoftware abgewickelt, um die wahre Länge der Platinen zu ermitteln. Aus der Abwicklung entsteht das Biegeprogramm, das den Bedienern auftragsgebunden über das Netzwerk zur Verfügung gestellt wird. Um sicherzustellen, dass Zuschnitt und Biegeprogramm zusammenpassen, wird mit der Laserschneidanlage das Teil nicht nur ausgeschnitten, sondern auch mit einer Gravur versehen. Diese Gravur enthält die Auftragsnummer, mit der der Bediener über die EPC-Touch-Steuerung der Abkantpresse das entsprechende Biegeprogramm vom Server herunterladen und abarbeiten kann.

 

Wie Dieter Vöckel versichert, verlief der Umstieg von der Uralt-Steuerung der Schwenkbiegemaschine auf die neueste Touch-Screen-Steuerung von EHT absolut reibungslos: „Es war zwar ein gewaltiger Schritt von der bisherigen Steuerung auf das neue System, doch die intuitiv bedienbare EHT-Steuerung hat den Bedienern die Umstellung sehr einfach gemacht. Als die Maschine aufgestellt und angeschlossen war, haben meine Leute sofort damit gearbeitet. Sicherlich noch nicht so flüssig wie jetzt nach drei Monaten, aber von Anfang an ohne nennenswerte Schwierigkeiten.“

 

Alles in allem war der Kauf der EHT VarioPress 400 – 40 für Florian Voß ein „absolut rundes, gelungenes Projekt, bei dem EHT alle Belange in Gänze erfüllen konnte, und das trotzdem noch viel Potenzial in sich birgt. Denn selbst mit den umfangreichsten Überlegungen im Vorfeld kann man nicht alles abbilden, was sich in der Praxis mit einem System machen lässt. Viele Ideen entstehen erst beim Umgang mit dem System, in Gesprächen mit Kollegen, also in der täglichen Praxis. Das sind Lernprozesse, die erst im Umgang mit einer neuen Maschine möglich sind. Wir haben aber mit unserer EHT auf jeden Fall noch genügend Reserven, um neue Ideen unserer Konstrukteure auch in Zukunft umsetzen zu können.“

 

Autor Günter Kögel Chefredakteur der Fachzeitschrift "BLECH"

 

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